PERMAKULTUR

Der Begriff Permakultur wurde von David Holmgren und Bill Mollison geprägt. Bill Mollison wird als Erfinder der Permakultur angesehen, doch wie bei vielen guten Ideen, für die die Zeit reif ist, haben verschiedene Menschen unabhängig voneinander die gleiche Praktiken entwickelt, wie zum Beispiel Sepp Holzer, der durch die Art, wie er seine Gärten anlegt in den Tiroler Alpen Zitronen anbauen kann oder Paul Wheaton, der in Montana mit den Wheaton Labs Pionierarbeit leistet und tatsächlich hat auch Ruth Stout (1884-1980) in ihrem Buch ‚No Work Gardening‘ (Gärtnern ohne Arbeit) bereits vieles angewandt was heute als Pemakultur Methoden bezeichnet wird.

Was bedeutet das für den Freiwald? Warum wollen wir Permakultur anwenden, wenn es doch darum geht Klimawälder zu pflanzen? Die Methoden der Permakultur, die sich um das Design eines Garten drehen, lassen sich auch für Wälder anwenden. Mit einem Permakultur Design ist es möglich, viele Randzonen zu schaffen, da in solchen Zonen die Biodiversität spürbar zunimmt. Einige Methoden der Permakultur können angewendet werden um Regenwasser so zu leiten und zu speichern. Ein Teil der Fläche wird auch dafür verwendet um Nahrungsmittel zu produzieren, da wir auch die Notwendigkeit sehen, Alternativen zur heutigen, monokulturellen Landwirtschaft zu erkunden. Die Bewohner benachbarter Orte werden mit einbezogen und ein Teil der Freiwälder (20 % der Fläche) wird als Gemeinschaftsgarten angelegt.

Die Wildniszone wird mit rund 80 % den Großteil der Fläche ausmachen und der angelegte Wald wird somit zum natürlichen Kohlenstoffspeicher und zu einem neuen Lebensraum für wildlebende Tiere.

Die Ethik, welche der Permakultur zugrunde liegt ist dreigeteilt, Peoplecare, Earthcare und Futurecare.

Die jeweilige Ethik hat mehrere Ebenen. Zum Beispiel kann Peoplecare so ausgelegt werden, dass es uns selbst gut gehen muss, damit wir auch Energie in die Arbeiten stecken, weil es sonst nicht nachhaltig ist. Es kann aber auch so gelesen werden, dass Menschen auch einen eigenen Nutzen haben müssen damit sie sich gerne um ein Stück Land kümmern. Der Nutzen kann hier zum Beispiel Nahrung und Erholung sein.

Earthcare erinnert daran, dass der Mensch nicht im Mittelpunkt steht, sondern ein Teil des Ökosystems ist. Und so darf auch anderes Leben existieren, welches keinen Nutzen für den Menschen hat, wie Beikräuter oder Schnecken.

Futurecare (Früher Return of the surplus) weist darauf hin, dass ein System nicht überbeansprucht werden darf. Wenn wir Jahr für Jahr alles abernten und die nackte Erde den Elementen preisgeben, dann nimmt die Fruchtbarkeit immer mehr ab. In einem gut angelegten Permakultur Design wird es bald einen Überfluss an Leben geben und es kann ein Ertrag entnommen werden, ohne das Ökosystem zu belasten.

PERMAKULTUR PRINZIPIEN

David Holmgren hat zwölf Kern-Prinzipien ausgearbeitet, welche allen Überlegungen zugrunde liegen sollten, wenn wir für ein Stück Land ein Design anlegen.

1. Beobachte und Handle (Observe and interact)

Zu Beginn jeder Permakultur Planung steht das beobachten, sammeln von Daten und das kennenlernen der Umgebung. Jeder Ort ist anders und verschiedene Faktoren wie Wind, Sonneneinfall, Topografie, Klima und Bodenleben spielen eine Rolle, wenn für einen Ort ein Permakultur Design erstellt wird. Es ist von Vorteil, einen Ort über alle Jahreszeiten hinweg zu beobachten.

2. Sammle und Speichere Engergie (Catch and store energy)

Unser derzeitiges Wirtschaftssystem setzt vor allem auf kurzfristige Gewinnmaximierung, was uns langfristig gesehen die Lebensgrundlage entzieht. In der Permakultur wird im Gegensatz dazu versucht vorhandene Ressourcen so effizient zu nutzen wie möglich und langfristig zu erhalten. Beispiele für erneuerbare Energien sind:

  • Sonnenenergie, Wind und Wasserkraft
  • fruchtbare Böden
  • mehrjährige Pflanzen
  • Passivhäuser
  • Regen, Gewässer und Speichertanks

Lokale und regionale Unabhängigkeit ist erstrebenswert.

3. Erwirtschafte einen Ertrag (Obtain a yield)

Wir dürfen ernten! Wenn ein System keinen sofortigen brauchbaren Ertrag erwirtschaftet, wird es eher dazu neigen zu verkümmern. Das Anlegen und die Erhaltung ertragreicher Systeme wird Nachahmer inspirieren. Erfolgreiche Permakultursysteme werden als Vorbild dienen und sich ausbreiten, denn das Nützliche setzt sich durch. Positive Feedback-Schleifen verstärken den ursprünglichen Prozess und fördern das Wachstum.

4. Wende Selbstregulierung an und lerne aus den Ergebnissen (Apply self-regulation and accept feedback)

Bei diesem Prinzip geht es darum autonome und selbstregulierende Systeme zu erschaffen und vor Überbeanspruchung zu schützen. Hier werden im Gegensatz zu den positiven Feedback-Schleifen, die negativen Feedback-Schleifen beobachtet und versucht, diese so gering wie möglich zu halten. In der heutigen konsumorientierten Zeit spielt dieses Prinzip auch in der sozialen Permakultur eine wichtige Rolle. Sich selbst auf das zu besinnen, was nötig ist und die Ressourcen des Planeten nicht durch unnötigen Konsum überzubeanspruchen.

5. Nutze erneuerbare Ressourcen und Leistungen (Use and value renewable resources)

Nachwachsende Rohstoffe sind wie eine passive Einkommensquelle. Wenn wir einen Baum fällen, der Jahrhunderte gewachsen ist, haben wir kurzfristig Holz, doch müssen wir fortan auf den jährlichen Zuwachs von Humus durch das abgeworfene Laub verzichten, auf die Früchte, die der Baum uns schenkt, auf den Schatten den er wirft, den Windschutz, den er bietet und es besteht die Gefahr, dass sich die Qualität des Bodens verschlechtert. Ein anderes Beispiel ist der Grünschnitt, der in Gärten anfällt und zur nächsten Kompostieranlage gefahren wird, statt die Biomasse für den Aufbau des eigenen Bodens selbst zu nutzen.

6. Produziere keinen Abfall (Produce no waste)

Wir sind dazu angehalten Wege zu suchen, die zu einer Minimierung von Abfall führt und unseren Anteil an Umweltverschmutzung so gering wie möglich zu halten. Laut Bill Mollison ist Abfall der Output einer Systemkomponenten, die nicht von einer anderen Systemkomponenten genutzt werden kann. In natürlichen Systemen dienen die Abfälle von allen Elementen immer als Ressource für andere Elemente. Beispielsweise verwandeln sich die Bioabfälle durch die Mikroorganismen zu Humus. Im persönlichen Bereich können wir die Minimierung des Abfalls vor allem durch bewusstes Konsumverhalten, beziehungsweise durch die Einschränkung von Konsum erreichen.

7. Vom Muster zum Detail (Design from patterns to details)

Statt an einem Ort viele kleine Details zu kreieren, die sich eventuell gegenseitig ungünstig beeinflussen, wird im Designprozess der Permakultur das große Ganze im Blick behalten und versucht einen ganzheitlichen Ansatz zu finden. Muster im Zusammenwirken von Elementen zu finden ist wichtiger als das Verständnis von allen Details. So wird bei der Permakultur der Ort in Zonen und Sektoren aufgeteilt um bei geringstem Arbeitsaufwand eine größtmögliche Fülle zu erschaffen. Das Anlegen solcher Zonen vereinfacht die Planung von Teilsystemen. Eine Permakulltur Designerin hat all die Aspekte und Faktoren der Sektroen im Kopf und gestaltet ein System, in dem sich die verschiedenen Design Elemente gegenseitig unterstützen.

8. Integriere, statt abzugrenzen (Integrate rather than segregate)

Ein System ist mehr als die Summe ihrer Teile, denn die Wechselwirkungen zwischen den Teilen ist auch ein wichtiger Faktor. Eine sinnvolle Platzierung von Pflanzen, Erdarbeiten und Infrastruktur kann zu einem höheren Maß an Integration und Selbstregulierung führen. Dafür ist es wichtig zu begreifen, dass jedes Element viele Funktionen erfüllt und jede wichtige Funktion von vielen verschiedenen Elementen unterstützt wird.

9. Bevorzuge einfache und langsame Lösungen (Use small and slow solutions)

Wir leben in einer ‚Größer! Schneller! Mehr!‘ Gesellschaft und unser Wirtschaftssystem beruht auf ständigem Wachstum auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen. Permakultur Systeme versuchen immer die kleinste, energieeffizienteste Lösung zu finden. 20 Menschen mit Schaufeln und Schubkarren erreichen das gleiche wie ein Bagger, ohne den Boden zu verdichten oder Diesel zu verbrennen. Mit dem Fahrrad kommen wir auch, und in Städten oft schneller an‘s Ziel, ohne die Luft zu verpesten und laut zu sein. Langsamwachsende Bäume sind oft langlebiger und resistenter.

10. Nutze und Schätze die Vielfalt (Use and value diversity)

Monokulturen sind sehr anfällig, wenn es um Schädlinge oder Krankheiten geht. In Polykulturen beobachten wir oft Symbiosen und Wechselwirkkungen, welche insgesamt ein widerstandsfähiges Ökosystem schaffen. In der Permakultur finden wir eine Balance zwischen Vielfalt und Produktivität. Auch im sozialen Bereich ist der Erhalt und die Pflege von Vielfalt wichtig. Zwischenmenschliche Beziehungen bilden stabile Nachbarschaften und Netzwerke, in das jede Einzelne ihre Fähigkeiten und Kenntnisse einbringen kann.

11. Randzonen nutzen und das Marginale wertschätzen (Use edges and value the marginal)

Übergänge von einer Kulturzone zur anderen sind Quellen der Vielfalt. Beispiele für solche Übergänge sind Wald zu Feld, Ufer zu Wasser, Flüsse, die in‘s mehr münden. In Randzonen passieren immer die interessantesten Dinge und es ist ein Schmelztiegel der Natur, wo aus unterschiedlichen Elementen Neues entstehen kann. In der Permakultur nutzen wir dieses Wissen indem wir die Übergänge von Zonen so gestalten, dass sie sich verlängern. Zum Beispiel legen wir Grenzenübergänge in den Freiwäldern in Wellenlinien an um diese Randzonen zu verlängern.

12. Reagiere kreativ auf Veränderungen (Creatively use and respond to change)

Veränderungen können große Chancen sein, wenn wir sie intelligent nutzen. Dieses Prinzip legt uns nahe mit Veränderungen mitzugehen, statt sie mit großem Energieaufwand zu bekämpfen. Permakultur setzt auf Dauerhaftigkeit und Stabilität und dauerhaft sind nur jene Systeme, die flexibel und intelligent auf Veränderungen reagieren können und sich neuen Bedingungen anpassen.